Abenteuer Steuerrecht

Einstieg ins Steuerrecht bei Baker McKenzie

 

Von we­gen „trocken“ – wer sich für einen Ein­stieg ins Steuer­recht ent­schei­det, wählt ein span­nen­des und viel­sei­ti­ges Rechts­ge­biet, das täg­lich aufs Neue for­dert und zahl­reiche An­knüp­fungs­punk­te mit an­de­ren Be­reich­en bie­tet.

Frie­de­ri­ke Goering, Associate der Tax Grup­pe bei Ba­ker McKenzie, und ihr Men­tor, der Steuer­part­ner Dr. Chris­tian Port, zei­gen, was Be­rufs­ein­stei­ger im Tax Be­reich der Kanz­lei er­war­tet und wo­rauf es beim Men­to­ring in der täg­li­chen Ar­beit an­kommt.  








Friederike Goe­ring ist Rechtsanwältin und Associate der Tax-Grup­pe von Ba­ker Mc­Kenzie in Frank­furt am Main.


Frau Goe­ring, wie­so ha­ben Sie sich ge­ra­de für den Ein­stieg ins Steuer­recht ent­schie­den?

Das Steuer­recht war für mich Lie­be auf den zwei­ten Blick. Im Stu­dium und Re­fe­ren­da­riat hat­te ich we­gen meines Schwer­punkts und mei­ner Ne­ben­tä­tig­keit zwar Berüh­run­gen mit dem Steuer­recht. Den­noch stieg ich als Associate zu­nächst im Real Esta­te Be­reich ein, da ich in die­sem Be­reich mei­ne Wahl­sta­tion ver­brach­te. Wie wich­tig die Ar­beit im Tax Be­reich ist, ent­deck­te ich wäh­rend ei­ner Tran­sak­tion, bei der alles von der steuer­li­chen Struk­tu­rie­rung ab­hing. Die Ar­beit an der Trans­ak­tion konn­te erst be­gin­nen, nach­dem die Struk­tur stand. Auch wäh­rend der Trans­ak­tion ar­bei­te­ten wir eng mit den Steuer­recht­lern zu­sam­men, um die steuer­recht­li­chen Vor­ga­ben um­zu­set­zen. Nach die­sem Deal war für mich klar, dass sich die span­nend­sten Fra­gen im Steuer­recht stel­len. So wech­sel­te ich in den Tax Be­reich, den ich bis heute als ex­trem ab­wechs­lungs­reich und viel­seitig empfin­de. 

Wenn Sie sich an Ihre erste Zeit in der Kanz­lei er­in­nern – was kommt Ihnen spon­tan in den Sinn?

Ich erinne­re mich spon­tan da­ran, dass ich di­rekt in in­te­res­san­te Man­da­te ein­ge­bun­den wur­de. Auß­er­dem konnte ich am En­de mei­ner ers­ten Wo­che di­rekt an einem Re­cruiting-Work­shop mit­wir­ken und Nach­wuchs­ju­ris­ten für das Steuer­recht be­geis­tern. Da­mit fühl­te ich mich gleich als Teil des Teams. Auch die zahl­reich­en Kanz­lei­ver­an­stal­tun­gen – seien es in­ter­ne Ver­an­stal­tun­gen wie Of­fice Meetings, das Som­mer­fest oder Se­mi­na­re der In­house Uni­ver­si­ty, un­se­rem in­ter­nen Fort­bil­dungs­pro­gramm – ha­ben es mir leicht ge­macht, mich gut und schnell ein­zu­le­ben.


Im Frankfurter Büro...


Was war Ihr bis­lang span­nend­ster Fall und wes­halb? 

Ganz ehr­lich: Es sind zu vie­le span­­nende Man­da­te, die meine Ar­beit aus­ma­chen und es ist schwer, sich auf einen Fall fest­zu­le­gen. Den Reiz machen zum einen die be­kann­ten Na­men aus, für die wir tä­tig sind, zum an­de­ren die In­ter­na­tionali­tät mei­ner Ar­beit. Da un­se­re Man­dan­ten glo­bal tä­tig sind, brauchen sie einen eben­falls welt­weit agie­ren­den Be­ra­ter. Das sind wir. Wir ar­bei­ten je­den Tag mit un­se­ren Kol­le­gen aus Bü­ros in Süd­ko­rea oder San Fran­cis­co zu­sam­men. Ne­ben den vie­len inter­nen Tref­fen, bei denen wir Kol­le­gen der an­de­ren Bü­ros ken­nen­ler­nen kön­nen, gibt es im Lau­fe der Kar­rie­re ver­schie­dens­te Mög­lich­kei­ten, auch in den aus­län­di­schen Bü­ros zu ar­bei­ten. So ist es zum Beis­piel im Rah­men der Mo­bi­li­ty Initiati­ve mög­lich, be­reits nach kur­zer Zeit in der Kanz­lei die Füh­ler ins Aus­land aus­zu­strec­ken. Wer ein Jahr mit an Bord ist, hat die Mög­lich­keit, wäh­rend des Mini-Associate Training Pro­gram (Mini-ATP) für einige Wo­chen in einem der aus­län­di­schen Bü­ros ak­tiv zu wer­den. Und nach zwei Jah­ren in der Kanz­lei ist es mög­lich, wäh­rend des ATP bis zu zwölf Mo­na­te in ein aus­län­di­sches Bü­ro zu wechseln. So lernt man eine an­de­re Rechts­ordnung und Kul­tur ken­nen und knüpft per­sön­li­che Kon­tak­te mit Associates und Part­nern vor Ort.


Was macht das Steuer­recht in der täg­lichen Man­dats­ar­beit für Sie so in­ter­essant im Ver­gleich zu an­de­ren Rechts­ge­bie­ten? 

Auf den Punkt ge­bracht: Ich ma­che wirk­lich viel Ju­ra, si­cher­lich mehr, als das in anderen Rechts­ge­bie­ten in der Groß­kanz­lei der Fall ist. Das liegt zum Beis­piel da­ran, dass sich die Rechts­la­ge stän­dig än­dert. Für mich be­deu­tet dies, dass ich oft mit neuen Ge­set­zen kon­fron­tiert bin, zu de­nen es bisher weder Literatur gibt noch Rechtsprechung oder Ver­öffent­li­chungen zum Ver­stän­dnis der Fi­nanz­ver­wal­tung. In sol­chen Fäl­len hilft mir bei der Lö­sung das ju­ris­ti­sche Hand­werks­zeug wie die klas­si­schen ju­ris­ti­schen Aus­legungs­me­tho­den, die mich seit dem ers­ten Se­mes­ter im Stu­dium beg­lei­ten. Außer­dem ist das Steuer­recht ein Be­reich, in dem sich die Ge­setzes­la­ge nicht nur durch na­tionale Ent­wick­lun­gen än­dert, son­dern auch durch euro­päische und glo­ba­le. Es ist für mich eine täg­li­che He­raus­for­de­rung, diese Flut an Neuerun­gen zu über­blic­ken und für meine Man­dan­ten die bes­ten Lö­sun­gen zu ent­wic­keln. Auch da­bei hilft das star­ke Netz­werk un­ser­er Steuer­rechts­grup­pe.


Wenn Sie auf die Zeit zurück­blic­ken, die Sie be­reits in der Kanz­lei ge­wirkt ha­ben: Was hat Sie am meisten ge­prägt, wo­ran den­ken Sie gern zu­rück?

Ich fin­de es wich­tig, dass die Stim­mung un­ter den Kol­le­gen gut ist, da­mit man je­den Tag gern zur Ar­beit geht. Das gu­te Ver­häl­tnis zu den Kolle­gen – von der Assis­ten­tin über die Sup­port-Ab­tei­lun­gen bis zum Part­ner – macht unsere Kanzlei aus. Das schät­ze ich je­den Tag aufs Neue und den­ke gern da­ran zu­rück, dass mir in die­ser Atmos­phäre der Ein­stieg be­son­ders leicht ge­fal­len ist.


Dr. Christian Port ist Rechtsanwalt und Steuerberater sowie Part­ner der Tax-Grup­pe bei Baker McKenzie in Frank­furt am Main.


Herr Dr. Port, was macht Ihre Rol­le als Men­tor aus? 

Oft wird Men­to­ring mit „For­dern und För­dern“ gleich­gesetzt. Aus eigener Er­fah­rung weiß ich, dass die zwei­te Kom­po­nen­te – das För­dern – ge­ra­de im Steuer­recht be­son­ders wich­tig ist. Als Men­tor in die­sem Rechts­be­reich muss man sich die Zeit neh­men, jun­ge Kol­le­gen und Kol­le­gin­nen aus­zu­bil­den, in die kom­plexe Ma­te­rie ein­zu­ar­bei­ten und an Man­da­te he­ran­zu­füh­ren. Es kommt da­rauf an, Aus­bil­dungs­zie­le von An­fang an klar zu for­mu­lie­ren. Fort­bil­dungs­maß­nah­men wie un­sere In­house Uni­ver­si­ty lie­fern das Hand­werks­zeug für un­se­re Asso­ciates, um ihre Rechts­kennt­nis­se und auch Soft Skills kon­ti­nu­ier­lich auf­zu­bauen. Auß­er­dem unter­stütze ich als Men­tor bei stra­te­gi­schen Fra­gen, zum Beis­piel, wo­rauf der Schwer­punkt der Ar­beit lie­gen soll­te, und bei der Karriere­planung. Bei alle­dem ist das zwischen­men­schli­che Mit­ein­an­der ent­schei­dend. Immer­hin ver­bringt man ge­mein­sam sehr viel Zeit am Ar­beits­platz. Ein gu­ter Men­tor soll­te da­her stets ein of­fe­nes Ohr für seine Associ­ates ha­ben, auch wenn es in einem Man­dat mal stres­sig zu­geht.


Was er­war­tet ei­nen Neu­ein­stei­ger in Ih­rem Be­reich?

Neu­ein­stei­ger be­ar­bei­ten in un­se­rer Steuer­praxis origi­när steuer­recht­li­che Man­da­te. Da­mit he­ben wir uns von vie­len an­de­ren Steuer­praxen ab, die pri­mär oft die Corpora­te Grup­pe unter­stüt­zen. Un­se­re Prax­is ist in drei Grup­pen unter­glie­dert: Er­trags­teu­ern, Umsatz­steuer/Zöl­le und Ver­rechnungs­preise. Da­durch sind wir in der La­ge, un­se­re Man­dan­ten zu al­len Rechts­fra­gen des na­ti­onalen und in­ter­na­ti­ona­len Steuer­rechts zu be­ra­ten. Wir er­war­ten von un­se­ren Be­rufs­ein­stei­gern aller­dings nicht, dass sie sich in alle Rechts­be­reiche gleich­er­ma­ßen ein­ar­bei­ten. Wer sich beis­piels­weise gern mit Fra­gen des in­ter­na­ti­onalen Steuer­rechts, der Steuer­pla­nung und der Steu­er­ges­tal­tung be­fasst, ist in un­se­rer Er­trag­steuer­grup­pe am Stan­dort Frank­furt sehr gut auf­ge­ho­ben.

… und im Düsseldorfer Büro ist die Tax Gruppe von Baker McKenzie angesiedelt.


Neu­ein­stei­ger be­ar­bei­ten – ab­hän­gig von ih­rer Be­rufs­er­fah­rung – ent­sprech­en­de Man­da­te oder An­fra­gen in Zu­sam­men­ar­beit mit ei­nem Par­tner und sind so von An­fang an in die Man­dats­ar­beit ein­ge­bun­den. Bei grö­ße­ren oder komp­lex­er­en Man­da­ten steht die Team­ar­beit im Vor­der­grund. Da wir ganz über­wie­gend zu inter­na­ti­ona­len Be­zü­gen be­ra­ten, sind gu­te En­glisch­kenntnis­se ein Muss. Das soll­te aber nie­man­den ab­schrec­ken. Steuer­recht­li­che Fach­be­griffe und den Um­gang mit englisch­spra­chi­gen Man­dan­ten lernt man bei uns “on the job“. 


Was sind die größ­ten Hür­den, die auf Neu­ein­stei­ger im Tax Be­reich zu­kom­men? Und wie kann man diese überwinden?

Lei­der rei­chen die Bor­dmit­tel, die man aus einem ab­ge­schlos­se­nen Stu­dium mit­bringt, meist nicht aus, um komp­le­xe steuer­recht­li­che Fäl­le von An­fang an al­lei­ne be­ar­bei­ten zu kön­nen. Das Steuer­recht ist ein eigen­stän­di­ges Rechts­ge­biet. Nicht ohne Grund wird das Steuer­be­rater­examen unter Steuer­ju­ris­ten als „Drit­tes Staats­examen“ be­zeich­net. Als Be­rufs­ein­stei­ger im Steuer­recht kann man sich da­her auf eine stei­le Lern­kur­ve ein­rich­ten. Die Er­fah­rung zeigt aber, dass das zu schaf­fen ist! Ich kam selbst vor rund acht Jah­ren als Quer­ein­stei­ger zum Steuer­recht und ging er­fol­greich mei­nen Weg in der Kanz­lei. Wer gründ­lich ar­bei­tet und sich die Zeit nimmt, die Sys­te­ma­tik des Steuer­rechts zu ver­stehen, wird bald fest­stel­len, dass die Ar­beit im Steuer­recht sehr span­nend, ab­wechslungs­reich und kre­ativ sein kann. 


Wie sieht die täg­li­che Zu­sam­men­ar­beit mit Frie­de­ri­ke Goering, aus?

Friederike Goering und ich ar­bei­ten auf ganz un­ter­schied­lichen Man­da­ten zusam­men. Wir bes­pre­chen An­fra­gen vor­ab und be­ar­bei­ten sie dann ge­mein­sam. Frau Goe­ring be­sitzt aus ihrer Zeit als An­wäl­tin im Real Es­tate Be­reich be­reits wert­vol­le Er­fah­run­gen mit Im­mo­bi­lien­trans­ak­tionen. Da­her ar­bei­tet sie un­ter an­de­rem auf Man­da­ten, in de­nen es da­rum geht, In­ves­ti­ti­onen in deut­sche Immobi­lien steuer­ef­fi­zient zu struk­tu­rieren. Um ihr Pro­fil in die­sem Bereich wei­ter zu stär­ken, hat sie bei­spiels­wei­se die Mög­lich­keit, als „Bot­schaf­te­rin“ der Steuer­grup­pe an in­ter­nen Fort­bil­dungs­ver­an­stal­tun­gen und Se­mi­na­ren un­se­rer Real Es­tate Grup­pe teil­zu­neh­men. 


Wel­che Tipps ha­ben Sie für Nach­wuchs­ju­ris­ten, die über einen Ein­stieg in den Tax Be­reich nach­den­ken?

Je­der Be­rufs­ein­stei­ger im Steuer­recht soll­te sich von An­fang an die Zeit neh­men, nicht nur kon­kre­te Rechts­fra­gen zu be­ar­bei­ten, die sich in der täg­li­chen Man­dats­ar­beit stel­len. Man soll­te sich auch mit der um­lie­gen­den Ma­te­rie be­fas­sen, um so über den Tellerrand hi­naus­zu­schauen. Wenn ich zum Beis­piel ge­fragt wer­de, ob die Akti­vität von Mit­ar­bei­tern eines aus­län­di­schen Un­ter­nehmens in Deut­schland zu einer deut­schen Steuer­pflicht des aus­län­di­schen Unter­neh­mens führt, soll­te ich mir die Sys­te­ma­tik der be­schränk­ten Steuer­pflicht ins­ge­samt an­sehen und bei die­ser Gele­gen­heit auch einen Blick in die Dop­pel­be­steue­rungs­ab­kom­men wer­fen. Auß­er­dem soll­te ich mir die Fra­ge stellen, wel­che lohn­steuer­recht­li­chen Kon­se­quen­zen sich für das aus­län­di­sche Unter­neh­men er­ge­ben kön­nen. Das ist ein Beis­piel, das einem gut vor Au­gen führt, wie viel­schich­tig das Steuer­recht ist. Wer sich vor­stel­len kann, in diese komp­lexe Ma­te­rie ein­zu­tauchen, dem kann ich nur emp­feh­len, die­sen Schritt in Rich­tung „Aben­teuer Steuer­recht“ zu wa­gen.


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