Einstieg in das Rechtsgebiet Tax

Aus Sicht einer Associate und eines Partners der Praxisgruppe Tax

Aus Sicht einer Associate der Praxisgruppe Tax







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    Eva Jürgens

Bevor ich als Anwältin in die Tax Gruppe von Baker McKenzie einstieg, absolvierte ich in meinem heutigen Team meine Wahlstation. Als Law Clerk konnte ich so meine späteren Kolleginnen und Kollegen kennen­lernen und die Basis für eine langfristige Zusammen­arbeit schaffen.

Den Grundstein für meine Arbeit als Rechtsanwältin im Steuerrecht legte ich in meinem Studium in Münster – ich entschied mich für den Schwerpunkt Steuerrecht. Das ist zwar keine Voraussetzung, um im Steuerrecht als Anwältin zu starten. Doch da sich dieses Rechtsgebiet ständig wandelt, macht es Sinn, bereits mit den grundlegenden Strukturen vertraut zu sein.

Fachlich ist das Steuerrecht sehr anspruchsvoll. Es knüpft an Lebenssachverhalte an, die anderen Rechtsbereichen unterliegen: So kann es z.B. Berührungspunkte mit dem Arbeitsrecht geben, wenn ein Arbeitgeber seinen Mitarbeitern die private Nutzung von Firmenfahrzeugen ermöglichen will, oder mit dem Gesellschaftsrecht, wenn Ge­sell­schaften (grenz­über­schreitend) Um­struk­tu­rie­rungen vornehmen. Ständiger Begleiter ist das europäische Recht – in diesem Frühjahr verstärkt, da der Brexit in ungewissen Ausmaßen vor der Tür steht und die britischen Gesellschaften versuchen, ihr Geschäft in andere EU-Staaten zu verlegen. Sehr gute Englischkenntnisse sind ein Muss, da ich mehrere Male pro Woche mit Kollegen aus unseren ausländischen Büros telefonisch oder per E-Mail kommuniziere, und englisch-sprachige Memos schreibe und lese. Dank unseres internationalen Netzwerks stehe ich mit Kolleginnen und Kollegen in der ganzen Welt permanent im Austausch.

Die Kolleginnen und Kollegen der unterschiedlichen Praxisgruppen aus der DACH-Region lernt man während der Seminare der Inhouse University persönlich kennen. Dort werden u.a. Themen wie Präsentationstechniken, Leadership Skills und English Legal Writing vermittelt. Einmal pro Woche trifft sich die gesamte Praxisgruppe Tax, um beim gemeinsamen Mittag­essen über Fälle oder relevante Entwicklungen zu berichten (Ertragsteuer Workshop). Außerdem findet einmal pro Monat ein Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen der Umsatzsteuergruppe und des Transfer Pricing Teams statt (Tax Update Meeting).

Vergegenwärtigen muss man sich bei alledem: Die klassischen Rechtsgebiete, die Pflichtstoff im Examen sind, wendet man im Alltag des Steuerrechts nur bedingt unmittelbar an. Natürlich stützen wir uns auf die grundlegenden juristischen Strukturen und Aus­legungs­methoden. Allerdings muss man sich nach den Examina nochmals auf eine völlig andere Materie mit eigenen materiellen Steuergesetzen, eigener Verfahrensordnung und eigener Gerichtsbarkeit einlassen. Das zeigt sich auch daran, dass den ausgebildeten Volljuristen in der Regel noch ein weiteres berufsqualifizierendes Examen erwartet – das Steuer­berater­examen. Die Kanzlei unterstützt diese Weiterbildung in vielerlei Hinsicht.

Bei den anspruchsvollen Aufgaben hilft es, eine persönliche Routine und Strategien zu entwickeln, um den Überblick zu behalten. Organisatorisches Zeit- und Aufgabenmanagement, gute Kommunikationsfähigkeit und eigenständiges Arbeiten sind wichtige Schlüssel­kompetenzen bei der täglichen Arbeit.

Eva Jürgens ist Associate der Praxisgruppe Tax bei Baker McKenzie, in Frankfurt am Main.


Aus Sicht eines Partners der Praxisgruppe Tax









  Dr. Thomas Schänzle

Das Rechtsgebiet Tax ist sehr vielschichtig, abwechslungsreich und herausfordernd. Eines ist sicher: Langweilig ist das Steuerrecht nie. Nach Dr. Thomas Schänzle seiner Wahrnehmung haben Studentinnen und Studenten oft ein falsches oder unzureichendes Verständnis von den Tätigkeiten im Steuerrecht in einer internationalen Kanzlei. Das Steuerrecht wird teilweise vorschnell als „trocken“ oder „langweilig“ verworfen. Bei der Wahl des Rechtsgebiets, in dem man künftig tätig sein möchte, lohnt es daher, sich mit dem Steuerrecht genauer zu beschäftigen.  

Steuern spielen bei wirtschaftlichen Entscheidungen im Unternehmen eine bedeutende Rolle. Wird z.B. ein anderes Unternehmen gekauft, müssen steuerliche Themen nicht nur im Kaufvertrag geregelt werden. Maßgeblich sind es Steuerexpertinnen und -experten, die die Akquisitionsstruktur festgelegen. Sie geben den „Fahrplan“ vor, wie die Transaktion rechtlich umzusetzen ist. Das gilt beispielsweise auch für interne Reorganisationen, um die Gruppenstruktur zu vereinfachen oder für Veränderungen von internationalen Wertschöpfungsketten in Unternehmen.




Um Mandanten steuerlich umfassend „aus einer Hand“ beraten zu können, ist unsere Steuerpraxis in drei Untergruppen gegliedert: Ertragsteuern, Ver­rechnungs­preise und Umsatzsteuer / Zölle. Diese breite Aufstellung in Deutschland und in unserem internationalen Netzwerk ermöglicht uns, überwiegend originär steuerrechtliche Mandate zu bearbeiten. Wir arbeiten hier in multidisziplinären und internationalen Teams zusammen. 

Berufseinsteiger binden wir direkt in die Mandatsarbeit ein. Neben berufsbegleitenden Fortbildungsmaßnahmen wie unserer Inhouse University, in- und externen Seminaren im In- und Ausland zur Ausbildung der fachlichen Kenntnisse und Soft Skills und der geförderten Vorbereitung auf das Steuerberaterexamen, steht das Training “on the job“ im Vordergrund. Associates erhalten so einen Einblick in die Teildisziplinen, die wir in unserer Praxis abdecken, und können sich dann auf bestimmte Bereiche wie z.B. internationale Steuerplanung, Transaktionssteuerrecht, Umsatzsteuer, Verrechnungs-preise oder Steuerstreitverfahren fokussieren. Unsere Associates stimmen ihre Ausbildungsziele in enger Zusammenarbeit mit dem Mentor von Anfang an ab, um sie nachhaltig verfolgen zu können.

Das Thema Steuerplanung bzw. -vermeidung internationaler Unternehmen und vermögender Privatpersonen rückte in letzter Zeit zunehmend in den Fokus der Öffentlichkeit. Vor allem im Bereich des internationalen Steuerrechts verändern sich derzeit die steuerlichen Rahmenbedingungen mit einer – selbst im Steuerrecht bisher nicht für möglich gehaltenen – Geschwindigkeit. Der Beratungsbedarf in dem ohnehin komplexen und sich stetig wandelnden Rechtsgebiet Steuern nimmt dadurch weiter zu.

Wer sich für einen Einstieg im Steuerrecht interessiert, sollte neben analytischen Fähigkeiten besonders ein Interesse an wirtschaftlichen Zusammenhängen und aktuellen Themen wie Innovation und Digitalisierung mitbringen. Um ein guter Berater zu werden, reicht es nicht aus, technisch gut zu sein. Man muss das Geschäft bzw. die Geschäftsmodelle der Mandanten verstehen, um praktikable Lösungen zu erarbeiten. Wichtig ist auch Spaß an der Teamarbeit in multidisziplinären und internationalen Teams. Last but not least sollte man auch eine gewisse Ausdauer mitbringen, um sich in die komplexe Materie des Steuerrechts einzuarbeiten. Aber keine Sorge: Es lohnt sich – auch im Hinblick auf die Entwicklungschancen im Steuerrecht. 

Dr. Thomas Schänzle ist Partner und Steuerberater bei Baker McKenzie in Frankfurt am Main. Er leitet gemeinsam mit Tax-Partner Christoph Becker die Praxisgruppe Steuern in Deutschland und Österreich.

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