Einstieg ins Rechtsgebiet IT

Aus Sicht einer IT-Associate und einer IT-Partnerin

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Aus Sicht einer IT-Associate










       Anika Vornwald  

Zum IT-Recht kam ich ziemlich unverhofft: In Mainz, wo ich studiert und mein Referendariat absolviert habe, stand dieses Rechtsgebiet zum damaligen Zeitpunkt noch nicht auf meiner Agenda. Während des Referendariats beschäftigte ich mich in erster Linie mit dem Arbeitsrecht, dem Recht des Geistigen Eigentums (in einer Großkanzlei) und mit dem Familienrecht (in einer kleineren Kanzlei).


Nach meiner Ausbildung stand für mich fest: Ich wollte in einer Großkanzlei arbeiten. Bei Baker McKenzie eröffnete sich für mich die Gelegenheit, im IT-Recht zu starten. Diese Chance wollte ich auf jeden Fall nutzen. Das IT-Recht ist sehr dynamisch und ständig im Fluss. Immer wieder bietet es neue Herausforderungen. Oft halten die Gesetze mit dem technischen Fortschritt nicht mit, so dass man sich auf die Grundsätze besinnt und mit seinem juristischen Handwerkszeug arbeitet.

Spannend ist auch, dass es sich um eine Querschnittsmaterie handelt, die in vielen Fällen eng mit anderen Rechtsgebieten der Kanzlei verknüpft ist. So arbeiten wir z.B. beim Arbeitnehmerdatenschutz häufig mit den Kollegen aus dem Arbeitsrecht zusammen. Wir sind oft in internationale Fälle involviert und haben so oft Kontakt mit den IT-Kollegen in unseren Büros rund um den Globus. 

Einen typischen Arbeitsalltag gibt es im IT-Recht nicht, da wir immer wieder mit ganz unterschiedlichen Fragen und herausfordernden Aufträgen unserer Mandanten konfrontiert werden. Beispielsweise habe ich morgens eine E-Mail meiner Kollegen aus Frankreich in der Inbox, die um eine Lokalisierung der Datenschutzerklärung nach deutschem Recht bitten.

Danach entwerfe ich für einen Mandanten einen Cookie Banner. So nutzt man als Anwältin auch Power-Point, um das Arbeitsprodukt für den Mandanten funktional und übersichtlich zu gestalten. Anschließend überarbeite ich die Nutzungsbedingungen einer Website. Mittags haben wir unser monatliches Team Meeting, standortübergreifend mit den IT-Kollegen aus dem Münchner und Wiener Büro, in dem wir Vorträge über aktuelle Themen halten und wichtige Neuigkeiten besprechen. Nachmittags gehe ich zum monatlichen Legal English Kurs. Da der Kurs den Associates der gesamten Kanzlei offensteht, lernt man auch typische Arbeitsaufgaben anderer Fachbereiche kennen.

Der Tag klingt für mich mit der Anfrage einer Kollegin aus, die sich schwerpunktmäßig mit Telekommunikationsrecht befasst und ich beschäftige mich mit Fragen rund ums Thema Rufnummernportierung, d.h. Mitnahme der Telefonnummer bei Wechsel des Anbieters. 

Inzwischen bin ich seit rund anderthalb Jahren bei Baker im IT-Recht tätig. Gerade für mich als Junior Associate ist eine enge Zusammenarbeit mit meiner Mentorin sehr wichtig. Sie achtet darauf, dass ich bei Projekten vom Anfang bis zum Ende eingebunden bin und gibt mir kontinuierliches, zeitnahes Feedback zu meinen Entwürfen. In der Kanzlei stehen die Türen zu den Büros der Kolleginnen und Kollegen offen. So kann ich auch zwischendurch mit Fragen, die sich während meiner Arbeit ergeben, auf meine Mentorin zugehen. Indem wir gemeinsam „mein“ Arbeitsprodukt finalisieren, ist es mir möglich, gezielt Rückfragen zu stellen und Änderungen zu hinterfragen. So lerne ich laufend dazu und kann mich kontinuierlich weiterentwickeln.

Anika Vornwald ist Associate bei Baker McKenzie in Frankfurt am Main und berät zu allen Aspekten des Rechts der Informationstechnologien, zum Datenschutzrecht sowie eCommerce und IT-Vertragsrecht. Sie studierte Rechtswissenschaften an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz.



Aus Sicht einer IT-Partnerin










  Dr. Michaela Nebel     

Berufseinsteiger werden in unserer Kanzlei in der Praxisgruppe “Information Technology (IT)“ von Anfang an in die Mandatsarbeit mit eingebunden. Sie befassen sich an einem konkreten Fall mit allen Bereichen des Rechts der Informationstechnologien (IT-Recht) und haben früh Mandantenkontakt. Das IT-Recht ist sehr breit aufgestellt und umfasst unter anderem das IT-Vertragsrecht, den Bereich eCommerce – z.B. welche Informationspflichten Website-Betreiber einhalten müssen  oder worauf bei Werbemaßnahmen per E-Mail zu achten ist –, IT-Litigation, Datenschutzrecht und Telekommunikationsdatenschutzrecht.

Associates sind von Beginn an in alle Bereiche involviert, mit denen sich das IT-Team täglich beschäftigt: Sie fertigen Gutachten zu komplexen Fragen an, erstellen, prüfen oder überarbeiten Vertragsentwürfe, entwerfen rechtliche Stellungnahmen und nehmen an Telefonkonferenzen und Meetings mit Mandanten teil. Gerade am Anfang arbeiten Berufsanfänger mit ihrer Mentorin oder ihrem Mentor intensiv zusammen – so auch in unserem Tandem, das Anika Vornwald und ich bilden.

Zur Ausbildung der Associates gehören auch regelmäßige Kurse der “Inhouse University“, in denen externe Trainer und Anwälte der Kanzlei Hard- und Softskills vermitteln, z.B. zu Themen wie Bilanzkunde, Persönlichkeitsentwicklung, Konfliktmanagement, Pitch, Rhetorik und Führungstraining.


In den Kursen trifft man auch Kolleginnen und Kollegen anderer Praxisgruppen und anderer deutscher Büros sowie aus Österreich und der Schweiz.

Im Fokus des IT-Rechts steht schon seit mehreren Jahren das Datenschutzrecht. Das liegt nicht nur an den technologischen Entwicklungen, sondern auch an den gerichtlichen und gesetzgeberischen Aktivitäten. Ein Beispiel ist die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), die das Datenschutzrecht in der Europäischen Union neu regelt und die Unternehmen seit dem 25. Mai 2018 anwenden müssen. Zwei Jahren lang hatten Unternehmen Zeit, sich auf die DSGVO vorzubereiten. Unser Team beriet bei Umsetzungsprojekten bzw. berät hierzu noch.

Daneben gab es auch andere Gesetzesvorhaben und -änderungen bzw. diese sind in Aussicht. Im Dezember 2018 trat etwa die Geoblocking-Verordnung in Kraft. Nach dieser Verordnung müssen Webshop-Betreiber künftig alle EU-Bürger gleich behandeln. Sie dürfen nicht mehr danach unterscheiden, welche Staatsangehörigkeit oder welchen Wohnort ein Nutzer hat. Auch der Bereich der elektronischen Kommunikation, der vor allem Cookies und Marketing betrifft, soll geändert werden: So beabsichtigte der europäische Gesetzgeber, dass gleichzeitig mit dem Inkrafttreten der Datenschutz-Grundverordnung die “ePrivacy Verordnung“ gelten soll. Da sich das Gesetzgebungsverfahren verzögerte, existieren bislang allerdings nur Entwürfe zu einer ePrivacy-Verordnung.  

Wer im Bereich IT-Recht beginnen möchte, sollte ein großes Interesse an technischen Neuerungen und Entwicklungen sowie Spaß an der Dynamik des Rechtsgebietes mitbringen. Für viele Sachverhalte unserer täglichen Arbeit gibt es keine klare gesetzliche Regelung und oft auch keine Rechtsprechung. Das bedeutet: Man muss oft mit den erlernten juristischen Grundlagen arbeiten und praktikable Lösungen finden. Wer über einen Einstig ins IT-Recht nachdenkt, sollte neben verhandlungssicheren Englischkenntnissen – der Großteil der Arbeit findet auf internationalem Parkett statt –, auch gerne ein ausgeprägtes Interesse an aktuellen Themen wie Innovation, Digitalisierung und Legal Tech mitbringen. Denn in unserer Kanzlei sehen wir Themen wie Industrie 4.0 und Digitalisierung als Chance.


Dr. Michaela Nebel ist Partnerin bei Baker McKenzie in Frankfurt am Main und berät zu allen Aspekten des Rechts der Informationstechnologien, mit einem Fokus im Datenschutzrecht sowie eCommerce Recht. Sie studierte Rechtswissenschaften an der Universität Passau, wo sie auch promovierte.



 

Dieser Beitrag ist erschienen im Newsletter 'Karriere-Jura', für dessen Bezug Sie sich hier eintragen können.

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