Hallo Ausland - dank Mobility Programmen weltweit arbeiten




Mit unseren Mobility Programmen eröffnen wir vielfältige Möglichkeiten, in unseren Büros rund um den Globus zu arbeiten – von zwei Wochen bis zu zwei Jahren.              Dr. Michaela Nebel, Partnerin im IT-Recht, und Dr. Anja Palatzke, Senior Associate im Bereich Kartellrecht, berichten über ihre Erfahrungen, die sie im Rahmen ihrer eigenen Mobility Programme gesammelt haben und zeigen, wie sie noch heute von den Auslandsaufenthalten profitieren.






Dr. Michaela Nebel ist Partnerin bei Baker McKenzie in Frankfurt am Main und berät zu allen Aspekten des Rechts der Informationstechnologien, mit einem Fokus im Datenschutzrecht sowie eCommerce Recht. Sie studierte Rechtswissenschaften an der Universität Passau, wo sie auch promovierte.

Dr. Anja Palatzke ist Senior Associate bei Baker McKenzie in Düsseldorf. Sie berät zu allen Aspekten des deutschen und europäischen Kartellrechts, v.a. zu Fusionskontrolle, Kartellverfahren, Compliance-Programmen und Kartellschadensersatz. Sie studierte Rechtswissenschaften in Lyon und Konstanz, wo sie auch promovierte.

ATP in San Francisco                                                            Von Dr. Michaela Nebel

"Associate Training Program" – kurz "ATP", so heißt bei Baker McKenzie das Programm, das Associates ermöglicht, bis zu 24 Monate in einem der weltweiten Büros zu arbeiten. Ich machte mein ATP in unserem Büro in San Francisco im Jahr 2014. Obwohl es "nur" sechs Monate dauerte, profitiere ich noch heute von den dort gesammelten Erfahrungen und dem Netzwerk, das ich während dieser Zeit aufgebaut habe. Und wahrscheinlich werde ich noch viele Jahre davon profitieren.  










In welches Büro soll es gehen?

Da unsere Kanzlei Büros in 46 Ländern rund um den Globus hat, bieten sich viele Standorte für ein ATP an – manche Büros wegen ihrer Größe und der dort gesprochenen Landessprache sowie des dort vorhandenen Geschäfts mehr, manche eher weniger.

Da man während des ATPs idealerweise in die Arbeit des ausländischen Büros eingebunden wird, ist es von Vorteil, wenn man die dort gesprochene Sprache gut beherrscht. Daher eignen sich oft englischsprachige Büros gut für einen Aufenthalt. Aber auch fachlich ist es sinnvoll, ein Büro zu wählen, in dem man seine Praxis weiter vertiefen kann. Bei mir lag es nahe, nach San Francisco zu gehen, wegen meiner Spezialisierung im IT-Recht und der Nähe des Büros zum Silicon Valley, der Wiege der IT und dem Zuhause vieler Technologie-Unternehmen. Abgesehen davon ist San Francisco eine wunderschöne Stadt in einem landschaftlich reizvollen Bundesstaat, so dass auch für das Freizeitprogramm eine Menge geboten war: vom Yosemite National Park zum Wandern, dem Pazifischen Ozean zum Surfen, dem Napa Valley für eine Weinprobe, bis hin zu den Sehenswürdigkeiten wie die Golden Gate Bridge und Alcatraz in der Stadt selbst.


Netzwerken

Mein Mentor band mich von Tag eins an in die Mandatsarbeit und die Projekte vor Ort ein, so dass ich sowohl mit den Kollegen als auch mit den Mandanten an der Westküste direkt arbeiten konnte. Außerdem nahm mich mein Mentor mit zu vielen Konferenzen und Veranstaltungen und ich hatte die Möglichkeit, auf Konferenzen und Mandantenseminaren zum deutschen IT-Recht zu sprechen. So knüpfte ich nicht nur viele Kontakte zu anderen Kolleginnen und Kollegen weltweit, sondern lernte auch Mandanten aus dem Silicon Valley kennen. Ein gutes Netzwerk innerhalb der Kanzlei ist in einer internationalen Großkanzlei sehr wichtig. Da wir viele internationale Projekte haben und täglich mit Kollegen aus anderen Büros zusammenarbeiten, ist es von Vorteil, wenn man die Kollegen persönlich kennt. Von den geknüpften Kontakten zu Mandanten vor Ort profitiere ich nicht nur persönlich, sondern die Kontakte helfen auch der gesamten Praxisgruppe IT sowie anderen Praxisgruppen der deutschen Büros. Noch heute melden sich Mandanten von der Westküste bei mir, wenn sie Fragen zum deutschen Recht haben. Die persönlichen Kontakte pflege ich, indem ich regelmäßig nach San Francisco fliege und mich mit Kolleginnen und Kollegen und Mandanten treffe. 

Fachliche Erfahrung

Auch fachlich lernte ich während meines ATPs viel dazu. In anderen Ländern gibt es nicht nur andere Gesetze, sondern auch das Rechtsverständnis ist häufig anders als zuhause. Da ich vor Ort richtig mitarbeiten durfte, in die Projekte eingebunden war und teilweise sogar erste Ansprechpartnerin für viele Mandanten wurde, lernte ich auch viel über US-Recht – ebenso wie praktische Aspekte, z.B. wie ich einem Nichtjuristen in den USA deutsches Recht ohne Paragrafen und allzu viele juristische Begriffe verständlich vermittle. Denn was für einen deutschen Juristen gewünschter Rechtsrat ist, kann für einen US-Mandaten schwer verständlich sein.

Mein ATP war für mich eine ganz besondere Zeit, in der ich viel gelernt habe. Viele der persönlichen Kontakte, die ich in diesen Monaten geknüpft habe, währen bis heute und helfen mir in meiner Mandatsarbeit weiter.

 






 


Dr. Michaela Nebel

Mini-ATP in Brüssel                                                               Von Dr. Anja Palatzke                                                      

Die Abkürzung ATP fiel schon direkt bei meinem Vorstellungsgespräch bei Baker McKenzie vor vier Jahren zum ersten Mal. Ich konnte mir damals nicht sofort merken, wofür diese drei Buchstaben stehen. Die Begeisterung, mit der die künftigen Kolleginnen und Kollegen von der Möglichkeit sprachen, für eine Zeit in ein ausländisches Büro zu wechseln, blieb aber deutlich in meiner Erinnerung und floss in meine Entscheidung für die Kanzlei ein. 









Arbeit in internationalen Teams

Im Kartellrecht arbeiten wir täglich in internationalen Teams. Auch wenn die digitale Zusammenarbeit mit den Kollegen weltweit sehr gut klappt, sind die persönlichen Kontakte eine große Bereicherung und die Kanzlei fördert diese schon auf Associate-Ebene. Nachdem ich mich im Düsseldorfer Team gut eingelebt hatte, wollte ich die Gelegenheit nutzen, meine internationalen Kontakte weiter zu vertiefen und auszubauen. Im jährlichen Review-Gespräch sprach ich die Partner meiner Praxisgruppe darauf an, dass ich gern im Rahmen eines ATP, dem sog. "Associate Training Program", für einige Monate ins Ausland gehen wollte. Sie waren sofort begeistert und haben mich unterstützt.

Mein Mentor und ich besprachen die verschiedenen Optionen und wir überlegten gemeinsam, in welchem Büro und für welchen Zeitraum sich ein Aufenthalt am besten eignen würde. Die Wahl fiel auf ein Mini-ATP in Brüssel. Brüssel ist für Kartellrechtler ein wichtiger Ort, denn dort sitzt die Europäische Kommission und die Kartellrechtsszene ist sehr aktiv. Das Brüsseler Team ist aber auch eine der größten und v.a. die internationalste lokale Kartellrechtsgruppe der Kanzlei mit Kollegen aus Belgien, Deutschland, Griechenland, dem Vereinigten Königreich, Italien, den Niederlanden und Russland. Mein Mentor stellte den Kontakt zu den Brüsseler Kollegen her und dann ging alles ganz schnell. Im Herbst 2017, ein dreiviertel Jahr nach den ersten Gesprächen zum ATP, packte ich meine Koffer und zog für drei Monate von Düsseldorf nach Brüssel.

Kartellrecht - stark geprägt durch europäisches Recht

Das Brüsseler Team nahm mich sehr herzlich auf und ich konnte ohne größere Eingewöhnung inhaltlich sofort mitarbeiten. Das Kartellrecht ist stark durch das europäische Recht geprägt und es gibt zahlreiche Überschneidungen mit meiner Arbeit in Deutschland. Das Brüsseler Team hat allerdings andere Branchenschwerpunkte als das Düsseldorfer Team, was die Arbeit für mich sehr spannend gemacht hat. Ich hatte in meiner Zeit in Brüssel u.a. die Gelegenheit, in die kartellrechtliche Beratung im Medienbereich hineinschnuppern, für den einige Sonderregelungen gelten, die ich davor nicht vertieft kannte. Während meines Aufenthalts gab es in diesem Bereich viel zu tun. Kurz zuvor war die neue europäische Verordnung zur grenzüberschreitenden Portabilität von Online-Inhaltediensten erlassen worden. Sie ermöglicht es uns, unsere Lieblingsserien auch im Urlaub im europäischen Ausland wie gewohnt weiterzuschauen. Für uns Verbraucher ist das super, sorgte bei den Anbietern von Onlinediensten aber zunächst für reichlich Kopfzerbrechen. Gemeinsam mit einem Brüsseler Partner und Kollegen aus London, Madrid und Stockholm durfte ich einen amerikanischen Anbieter von Streamingdienstleistungen bei der Umsetzung der Neuregelungen und der Anpassung seiner Angebote in Europa unterstützen. Zudem hatte ich die Gelegenheit, das belgische Transaktionsteam mit einer Zusammenschlussanmeldung beim deutschen Bundeskartellamt zu unterstützen, wodurch ein schöner Kontakt zu den belgischen M&A-Kollegen entstanden ist, die ich zuvor noch nicht kannte. 











Gemeinsame Unternehmungen

Es gab viele Möglichkeiten, auch außerhalb der Arbeit mit den Kollegen gemeinsam etwas zu unternehmen und so mein Netzwerk zu erweitern. So lässt die Brüsseler Kartellrechtsgruppe z.B. freitags am späten Nachmittag bei einem Get-together die Woche gemeinsam Revue passieren. In meine Zeit fielen zudem der Nikolaustag sowie die Vorweihnachtszeit, die beide in Belgien einen großen Stellenwert haben.

Die drei Monate vergingen wie im Flug und ich habe die Zeit in sehr guter Erinnerung. Der kurze Draht zu den Kollegen vor Ort besteht auch heute noch und ist sowohl persönlich als auch für die Zusammenarbeit eine große Bereicherung.

 







Dr. Anja Palatzke


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