eue Reihe: Aktuelle Herausforderungen in der Rechtsbranche

Neue Reihe: Aktuelle Herausforderungen in der Rechtsbranche

In der neuen Interview-Reihe "Aktuelle Herausforderungen in der Rechtsbranche" erfahren Sie, wie eine internationale Wirtschaftskanzlei mit Herausforderungen und Chancen in den aktuellen Zeiten umgeht. Auftakt macht Felix Arnold, Rechtsanwalt im Arbeitsrecht im Berliner Büro von Baker McKenzie. 

*Zugunsten der Lesbarkeit haben wir auf geschlechterspezifische Schreibweise verzichtet. Wir bitten um Verständnis.


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Felix Arnold am Empfang des Berliner Büros 


Herr Arnold, was begeistert Sie als Anwalt im Arbeitsrecht?

Zuallererst natürlich das Rechtsgebiet. Das Arbeitsrecht ist dauernd im Wandel. Denn es hat ja den Anspruch und die Aufgabe, die Lebensrealität eines jeden Arbeitsalltags zu erfassen. Diese Dynamik und Vielfalt finde ich spannend und herausfordernd. Damit einher geht auch die Besonderheit des Arbeitsrechts, dass es im Vergleich zu anderen Rechtsgebieten überproportional durch die Rechtsprechung geprägt ist. Jeder Fall ist anders und bedarf einer gesonderten Bewertung. Und am Arbeitsrecht begeistert mich die forensische Tätigkeit. Mein beruflicher Alltag entspricht dem klassischen Berufsbild eines Rechtsanwalts, da ich regelmäßig vor Gericht auftrete. Auch das trifft auf andere Rechtsgebiete nach meinem Eindruck in diesem Maß nicht zu.


Welche Themen treiben Sie derzeit um?

Heute habe ich mich beispielsweise vor allem mit dem Thema der Scheinselbständigkeit und mit zwei Kündigungsschutzverfahren befasst. Zudem rief eine Mandantin an, die schnell einen Arbeitsvertrag für eine neu einzustellende Führungskraft benötigte. Eine andere Mandantin fragte nach Rat, wie sie mit einem Mitarbeiter umgehen solle, der durch unangemessene Kommentare in den sozialen Medien die Reputation seines Arbeitgebers geschädigt hat.


Wo sehen Sie aktuell die größeren Herausforderungen in Ihrem Rechtsgebiet?

Alltäglich auf die sehr dynamische Wirklichkeit der Arbeitswelt zu reagieren – das zeigt sich sehr deutlich an dem viel diskutierten Gesetzentwurf des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales zur mobilen Arbeit oder an dem Urteil des Bundesarbeitsgerichts zur rechtlichen Einordnung des Crowdworking. In beiden Fällen geht es darum, die Arbeitsrealität rechtlich „einzufangen“. Und bei solchen Fragen, bei denen der Gesetzgeber oder die Rechtsprechung noch nicht aktiv waren, sind dann wir Rechtsanwälte die ersten Gestalter.


Haben sich die Schwerpunkte Ihrer Arbeit im Zuge von Corona verändert und wenn ja, wie macht sich dies in Ihrer Arbeit bemerkbar?

Mit Corona kamen viele neue Fragen auf. Dürfen Arbeitgeber die Temperatur ihrer Arbeitnehmer messen? Darf der Zutritt des Arbeitnehmers zum Betrieb von der Vorlage eines negativen Tests abhängen? Können Arbeitgeber ihre Arbeitnehmer künftig anweisen, sich impfen zu lassen? Zudem brachte gerade zu Beginn der Pandemie das Thema Kurzarbeit viel Beratungsbedarf hervor. Außerdem hat natürlich das Thema “Home Office” eine ganz neue Brisanz gewonnen. Schließlich beraten wir nun zu sehr vielen Restrukturierungen, die jedenfalls teilweise auch durch die Pandemie bedingt sind und sicherlich in 2021 weiter zunehmen werden.


Welche Rolle spielt Teamwork im Arbeitsrecht?

Teamwork ist aus dem Berufsalltag eines Rechtsanwalts im Arbeitsrecht nicht wegzudenken. Dabei findet zum einen viel Teamwork mit dem Mandanten statt, besonders in Verhandlungssituationen mit Arbeitnehmern als auch mit den Betriebsräten. Zum anderen gibt es viel interne Zusammenarbeit „hinter den Kulissen“: Bei großen Projekten arbeiten wir oft mit mehreren Rechtsanwälten – häufig auch Rechtsgebiet übergreifend – Hand in Hand. Zudem findet Teamwork täglich auf dem Flur oder im Büro des Kollegen bzw. der Kollegin statt, wenn man mal bei einer komplizierten Frage nicht weiter kommt oder einfach sein eigenes Ergebnis diskutieren oder hinterfragt wissen will. 


Wie wird sich der Rechtsmarkt künftig entwickeln und welche Rolle spielen dabei die Themen Digitalisierung und Innovation - auch im Arbeits-recht?

Ich empfinde diese Themen als Treiber unserer gesamten Arbeitswelt. Auch der Rechtsmarkt ist hiervon bereits ergriffen. Sogar die Gerichte haben im Zuge der Pandemie jedenfalls teilweise auf digitale Verhandlungstermine umgestellt. Zudem finden inzwischen viele Verhandlungen mit Betriebsräten digital statt. Was das Thema Innovation anbetrifft, bin ich mir sicher, dass künftig auch mehr fachliche Arbeit automatisiert wird, beispielsweise im Bereich der Vertragsgestaltung.


Stichwort Internationalität: Sie haben Ihren LL.M. an der University of Cape Town absolviert. Inwieweit profitieren Sie davon während Ihrer juristischen Arbeit?

Allein sprachlich profitiere ich täglich davon, da ich rund 50 Prozent auf Englisch arbeite. Hier hilft es, vor allem im Umgang mit dem juristischen Fachjargon, für ein Jahr auf Englisch studiert zu haben. Ein weiterer positiver Effekt des LL.M.-Studiums im Ausland ist auch die interkulturelle Erfahrung. Ich arbeite täglich mit internationalen Mandanten zusammen. Das Verständnis für einander fällt leichter, wenn man einmal in anderen Kulturkreisen gelebt hat und weiß, dass das Leben außerhalb Deutschlands einfach anders ist. Nebenbei profitiere ich von meinem LL.M.-Studium auch unmittelbar fachlich. Denn eines meiner Fächer in Kapstadt war Verhandlungsführung und ich finde mich nun täglich in Verhandlungssituationen wieder. 


Welche Aufgaben nehmen Sie neben Ihrer anwaltlichen Arbeit wahr?

Neben meiner anwaltlichen Tätigkeit arbeite ich beispielsweise immer wieder an Veröffentlichungen, sei es Aufsätze oder Kommentierungen von Urteilen. Außerdem bieten wir unseren Mandanten regelmäßig Schulungen zu aktuellen Themen an. Gemeinsam mit Kollegen bereite ich diese vor und führe sie durch. Ich beschäftige mich auch mit der Nachwuchsarbeit: Ich verbringe immer wieder Zeit mit unseren wissenschaftlichen Mitarbeitern und Referendaren, um ihre Arbeitsergebnisse zu diskutieren und ihnen meine praktische Sicht auf die Dinge zu vermitteln. 



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Das Berliner Büro von Baker McKenzie


Wie bleiben Sie in besonderen Zeiten wie diesen mit Kolleginnen und Kollegen vernetzt?

Wie wohl alle, haben auch wir uns der Situation angepasst: Bei uns in Berlin hat eine Kollegin beispielsweise digitale Associate-Abende im zwei-Wochen-Rhythmus ins Leben gerufen. Wir reden dann über Headset und Monitor genauso mit einander, als säßen wir für ein Getränk zusammen in einem Lokal um die Ecke. Auch unser regelmäßiges Berliner All Attorneys-Treffen findet nun digital statt. Standortübergreifend haben wir ebenfalls im festem Rhythmus Videokonferenzen mit dem Fachbereich, um den Kontakt aufrecht zu erhalten. Mit Beginn der Coronapandemie rief unsere Kanzlei 2020 darüber hinaus eigens eine virtuelle Programmreihe StayConnected Initiative ins Leben, um weiter im Austausch und in Kontakt miteinander zu bleiben - mit Bausteinen wie E-Learning/E-Training/E-Coaching, Tipps/Q&As, Networking und Fitness/bWell. 

Warum sollten Berufseinsteiger bei ihrem Start oder während ihrer Ausbildung unbedingt einmal ins Arbeitsrecht gehen?

Das Arbeitsrecht genießt in der juristischen Ausbildung als Nebenfach ein Schattendasein. Daher wissen viele Berufseinsteiger bei ihrer Wahl des Rechtsgebiets nicht, was sie verpassen, wenn sie sich nicht für das Arbeitsrecht entscheiden. Ich glaube, die alltägliche Nähe zum Mandanten, die Vielfalt der rechtlichen Fragen und die klassische anwaltliche Tätigkeit vor Gericht bieten ein Höchstmaß an Abwechslung. Das findet man in der Gestalt in wenig anderen Rechtsbereichen. Mein Tipp ist, sich dies zumindest im Rahmen der Ausbildung einmal näher anzusehen.


Felix Arnold ist Rechtsanwalt im Arbeitsrecht bei Baker McKenzie in Berlin und hat an der University of Cape Town seinen LL.M.-Abschluss im Bereich Dispute Resolution gemacht. Er ist seit 2016 als Rechtsanwalt zugelassen und hat sich bereits während seines Studiums in Konstanz und Berlin auf das Arbeitsrecht spezialisiert.


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